Stabile Werte nach Kontrolle in Würzburg

Trotz der sehr schlimmen Situation mit meiner Frau Angelica, die immer noch im Koma auf der Intensivstation in Verona liegt, habe ich meinen 3 monatigen Kontrolltermin am letzten Dienstag in Würzburg wahrgenommen. Gleichzeitig war ja auch noch die Port- Explantation in ambulanter Operation an diesem Tag eingeplantl.
Also bin ich letzten Sonntag 700km nach Deutschland zu meiner Schwester in BL hochgefahren. Dann am Montag Überweisung beim Hausarzt geholt und 240km nach Würzburg gefahren. Durch einen Stau wegen eines Unfalls wurde die Zeit knapp und ich bin die letzten 100km auf der Autobahn mit 160km/h gerast um noch einigermaßen pünktlich zu sein. Um 12:15 war ich dann nur 15 Minuten zu spät in Würzburg, aber Blutabnahme und Aufklärungsgespräch für die OP haben schnell stattgefunden.

Dann habe ich was gegessen und ein Zimmer in einem Hotel in der Nähe der Klinik gebucht.
Am Dienstag um 9:00 war dann Kontrollgespräch mit der Ärztin und weil schon am Tag zuvor Blut abgenommen wurde, lagen auch schon die meisten Werte vor. Es ist alles OK und die Werte sind stabil und haben sich sogar fast überall verbessert!

Also wenigstens noch was Positives in dem derzeitigen “Inferno”. So kann ich wenigstens wieder für 3 Monate beruhigt sein bei meinem multiplen Myelom Status.

Um 10:00 wurde dann mein Port im linken Unterarm in einer ambulanten Operation herausoperiert und die Wunde mit etlichen Fäden vernäht. Dann um 11:00 habe ich endlich was gegessen und bin anschließend gleich wieder 240km nach BL zurückgefahren. Am Lenkrad konnte ich den linken Arm ja schön “hochlegen” während der Autobahnfahrt und durch die noch wirkende örtliche Betäubung hatte ich auch keine Schmerzen. Es ist soweit alles gut verlaufen bis Heute und keine Entzündung oder starke Schmerzen wahrnehmbar.

Gestern bin ich wieder von Deutschland an den Gardasee zurückgefahren und da waren auch schon per email die noch fehlenden Werte auch angekommen. Es ist wirklich erfreulich mit meinen Werten. Der M-Gradient hat sich von 8 % auf 4 % halbiert bei fast gleich gebliebenem Gesamt IgG von knapp über 1000. Gesamtweiweiß ist von 6,8 auf 6,6 auf den untersten Grenzbereich gegangen und B2M ist sehr gut auf 1,9.
Die freien Leichtketten sind voll in der Norm und kein Nachweiß von Bence Jones Leichtketten im Urin.

Das wäre ein Grund sich zu freuen, aber wegen dem tragischen Zustand von Angelica gibt es im Moment keine Freude.
Sie kommt nicht zu sich und reagiert fast nicht. Sie hat wohl schon zu schwere Hirnschäden erlitten und der Gesamtzustand ist nach wie vor sehr kritisch. Heute Abend um 18:00 fahre ich zu ihr in die Klinik. Vorgestern war meine Tochter dort. Ihr ist fast schlecht geworden bei dem Anblick und Zustand ihrer Mutter. Der Kopfverband ist jetzt weg und der Kopf ist total geschoren. Sie hat sie fast nicht erkannt.
Wir müssen uns darauf einstellen, daß Angelica in diesem Zustand bleibt und wir wissen nicht wie lange es noch so weitergeht.
Früher dachte man immer sowas passiert nur in anderen Familien und jetzt ist man selbst mittendrin in einem “Horrorfilm”.

Trotzdem geht das Leben weiter – es muss weitergehen- und wir müssen im Interesse von Allen so gut wie es geht “tapfer” bleiben. Vor allem ich muss jetzt für meine erwachsenen Kinder und meine Enkelin Bianca da sein und darf den Kopf nicht in den Sand stecken.

Was kann ein Mensch alles aushalten ? Aber ich beklage mich nicht mit unnötigen Fragen wie z.B. warum gerade unsere Familie so hart vom Schicksal getroffen wurde.

Wenn ich das Zugunglück in Spanien und das Busunglück in Süditalien so betrachtet habe, dann muss man erkennen, daß es noch radikalere Schicksalsschläge von einer Sekunde auf die andere geben kann und unendliches Leid bei den Angehörigen entsteht ohne jede Vorwarnung und ohne Möglichkeit sich zu verabschieden.

Das Leben kann sehr schön sein, es kann aber auch sehr viel Unglück und Trauer mit sich bringen und niemand hat die Garantie verschont zu bleiben bis ans Ende aller Tage.