Härtetest

Heute Nacht lief ja die letzte Ifosfamid Infusion rein und diese sollte ja 18 Stunden laufen bis heute Abend. Aber die Nachtschwester hatte beim Umstöpseln der Schläuche für die Spülung und das Mesna wohl ausversehen den Chemoschlauch abgehängt und runterhängen lassen und nicht mehr angeschlossen.
Erst beim nächsten Rundgang habe ich es mit ihr zusammen bemerkt.
Kleine Panik brach aus und sie holte ihre Kollegin mit Putz und Bindemittel. Aber es waren wohl nur wenige Tropfen auf den Boden ausgelaufen. Auf meinen Körper ist beim Abstopseln vom ZVK zum Glück nichts getropft.
Die Chemo lief schon ca. 5 Stunden und sie haben sie komplett abgehängt und sagten, dass die Ärztin heute Morgen kommt und wieder eine neue Packung Ifosfamid in der Apo bestelt und ich noch die errechnete fehlend Menge dann erhalten soll.
Ich sagte dann, das ich auf Patientenwunsch den Rest nicht mehr will und wir es dabei belassen.
Es ist mit ca. 10 Gramm Ifosfamid in den letzen drei Tagen genug drin, da kommt es auf fehlende 2 Gramm nicht mehr drauf an.
Da ich heute Morgen schon wieder 108,3 Kg wiege, reicht es jetzt mit Chemo und Flüssigkeit, sonst entwickeln sich andere Probleme mit Herz und Lunge durch Ūberladung im Kreislaufsystem.

Da sieht man mal wieder, dass man alles selbst kontrollieren muss oder sollte um solche Leichtsinnsfehler mit Zytostatika zu vermeiden.

Heute um 13:00 habe ich wieder von einer Sekunde auf die andere Vorhofflimmern bekommen. Das habe ich eigentlich erwartet und es kam sogar spät in diesem Chemeomix.
Da ich es schon öfter hatte und es mir nichts ausmacht bekommen die Ärztin und Schwestern heute auch keine Panik.
EKG gemacht und eine winzige Pille erhalten, das wars.
Jetzt muss ich abwarten wann es wieder in den Sinusrhytmus übergeht.
Sonst merke ich die gewaltige Chemo jetzt schon ganz schön. Der ganze Körper fühlt sich vergiftet an und das macht mürbe.
Aber jetzt läuft nur noch die Nachspülung und es kann nur noch besser werden.
Ob ich morgen entlassen werde weiss ich noch nicht, hängt wohl auch davon ab, was mein Herz morgen sagt.
Die Ärztin, die Morgen Dienst hat ist zufällig Kardiologin, da bin ich ja dann in kompetenter Obhut.
Mit Vorhofflimmern mit dem eigenen Auto 240km in die Aplasie fahren und diese in Balingen überstehen und am 16.12 wieder kommen. Da soll einer mal sagen, es gibt keine Abenteuer mehr.

Im Moment habe ich eher das Gefühl ich werde systematisch zerstört anstatt gerettet zu werden.
Aber Unkraut vergeht nicht so schnell, das packe ich, ich sitz an Weihnachten am Gardasee bei der Familie.