Angelica kommt am Freitag nach Hause

Hallo,

lange Zeit habe ich jetzt nichts mehr geschrieben. Die Zeit ist irgendwie schnell vergangen und ich war viel beschäftigt.

Jetzt war Angelica schon 5 Monate im Krankenhaus und zuletzt davon 3 Monate in der Rehabilitationsstation. Dort hat Angelica an den Tagen Montag bis Freitag immer Morgens von 8:00 bis 11:00 diverse Reha-Behandlungen oder Gruppentherapie oder Beschäftigungstherapie erhalten. Seit ca. 5 Wochen haben wir Angelica immer an den Samstagen für ca. 8 Stunden nach Hause geholt mit Einverständnis der Ärzte.

Letzte Woche hatten wir ein Gespräch mit den leitenden Ärzten und sie haben uns gesagt, daß die Therapiezeit zu Ende geht und Angelica Ende dieser Woche nach Hause entlassen wird.

Wir haben vom Sozialdienst in der Klinik alle notwendigen Dokumente erhalten um vom Gesundheitsamt die notwendigen Hilfsmittel für Zuhause kostenlos zu erhalten. Dazu gehören ein Rollstuhl mit Kissen und Gurten, ein hydraulisch verstellbares Krankenbett und 120 Windeln pro Monat.

Heute war ich mit meiner Tochter und Enkeltochter unterwegs um alles mit den Behörden abzuklären. Wir bekommen jetzt alles frei Haus angeliefert.

Mit Hilfe von mindestens einer Person kann Angelica zwar wackelig aber immerhin etliche Meter gehen und sogar  Treppen hoch und runter laufen. Das haben wir letzte Woche bei einem Treffpunkt in der Physiotherapie in der Klinik live miterlebt. Morgen früh fahre ich mit meiner Tochter und meinem Sohn nochmal hin für eine weitere “Lehrstunde” für uns durch den Physiotherapeuten.

Ich bin die ständigen täglichen Fahrten in die 27 km entfernte Klinik nach 5 Monaten auch langsam satt und freue mich wenn Angelica endlich zu uns nach Hause kommt. Und sie selbst freut sich erst recht !

In den letzten Monaten war sie immer traurig, wenn keiner von uns da war und vor allem wenn ich nicht bei ihr war. Sie hat dann auch oft geweint und mich ständig mit dem Rollstuhl auf dem Flur und in anderen Zimmern “gesucht”.
Sobald ich auftauchte hat sie sofort gestrahlt und war wie umgewandelt. Das sagten immer die Pfleger und Schwestern.

Es wird sicherlich nicht leicht für uns alle Zuhause mit Angelica, aber von der Stimmung und Psyche geht es uns dann allen besser, wenn wir wieder dauernd zusammen sein können.

Einiges bleibt zurück und ist irreversibel bei Angelica, aber ich habe in den letzten 3 Monaten in der Klinik auch viel schlimmere Fälle gesehen und da fängt man an zu “relativieren” und sagt sich jetzt rückwirkend – “es hätte auch schlimmer kommen können”.

Wir müssen Angelica jetzt vorwiegend “mental” und “psychisch” aufbauen, denn in diesem Zustand in dem sie sich jetzt befindet kommt sie sich oft “nutzlos” und “überflüssig” vor und das geht manchmal so weit, daß sie sagt – ” packt mich doch in einen schwarzen Sack und entsorgt mich”.
Anderseits sagte sie gerade in den letzten Tagen, sie will noch nicht sterben und sie will noch viel Zeit mit uns verbringen.

Wenn Angelica ab Freitag Abend dann für immer bei uns Zuhause sein wird, dann hoffe ich, daß sich ihr “seelischer Zustand” rasch zum positiven wandelt -auch wenn es nicht immer leicht ist mit so einem schweren “Handycap” und damit Unselbstständigkeit.

Wir werden unser Bestes tun um ihr den Wiedereinstieg in das Zuhause zu erleichtern und müssen natürlich selbst viel lernen und darauf achten, daß wir uns selbst nicht übernehmen und zu schnell “schlapp” machen.

Mal sehen wie es bis Weihnachten dann funktioniert – das “neue Leben unserer Familie”. Ich glaube die Betonung muss auf “Leben” gesetzt werden, alles andere wird sich sicher irgendwie ergeben.

Viele Grüße an alle Leser und Freunde

Rudi und Familie